Eigenbluttherapie mit PRP

Wie körpereigene Blutbestandteile bei Gelenkbeschwerden eingesetzt werden

Univ.-Prof. Dr. Stefan Marlovits
Unfallchirurg, Sporttraumatologe und Orthopäde
Vienna Cartilage Center | Wien

Schmerzen beim Gehen, ein wiederholt geschwollenes Knie oder weniger Belastbarkeit beim Sport können den Alltag erheblich einschränken. Eine Behandlung mit plättchenreichem Plasma, kurz PRP, kann bei ausgewählten Patientinnen und Patienten Schmerzen und Funktion günstig beeinflussen. Voraussetzung sind eine genaue Diagnose und ein Behandlungsplan, der das gesamte Gelenk berücksichtigt.

Was sich hinter PRP verbirgt
PRP steht für den englischen Begriff Platelet Rich Plasma. Gemeint ist ein aus dem eigenen Blut gewonnenes Plasma mit einer erhöhten Konzentration an Blutplättchen, den Thrombozyten. Diese spielen bei der Blutgerinnung eine wichtige Rolle und setzen Botenstoffe frei, die an Entzündungsreaktionen und Reparaturvorgängen beteiligt sind.
Für die Behandlung wird Blut aus einer Armvene entnommen und in einem geeigneten System zentrifugiert. Dabei trennen sich die Blutbestandteile. Die gewünschte Fraktion wird anschließend unter sterilen Bedingungen in das betroffene Gelenk oder an eine bestimmte Gewebestruktur injiziert. PRP ist keine Stammzelltherapie; eine Vermehrung von Zellen im Labor findet nicht statt. [1]

Für wen die Behandlung infrage kommt
Besonders häufig wird PRP bei einer schmerzhaften leichten bis mittelgradigen Kniearthrose eingesetzt. Es kommt vor allem dann in Betracht, wenn Bewegungstherapie, Muskelaufbau und weitere konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen. Der ESSKA-ICRS-Konsens unterstützt diese gezielte Anwendung, bewertet PRP aber nicht als allgemeine Erstbehandlung und nicht als geeignete Standardoption bei endgradiger Kniearthrose. [2]
Auch bei ausgewählten chronischen Sehnenbeschwerden wird PRP untersucht und angewendet. Der Nutzen hängt hier stark von der betroffenen Sehne und der konkreten Erkrankung ab. Erkenntnisse zur Kniearthrose lassen sich deshalb nicht einfach auf jede Sportverletzung übertragen. Ein gerissener Meniskus, eine ausgeprägte Fehlstellung oder ein instabiles Gelenk benötigen eine eigene Beurteilung.

Welche Verbesserung realistisch ist
Im Mittelpunkt stehen weniger Schmerzen und eine bessere Gelenkfunktion. Für Betroffene kann das bedeuten, wieder leichter Treppen zu steigen, längere Wege zu gehen oder ein angepasstes Training aufzunehmen. Eine mögliche Wirkung entwickelt sich meist über mehrere Wochen. Stärke und Dauer der Besserung unterscheiden sich von Person zu Person.
Die Forschung liefert jedoch keine einheitlichen Ergebnisse. In der RESTORE-Studie zeigte PRP nach zwölf Monaten weder für Schmerzen noch für das untersuchte Knorpelvolumen einen statistisch gesicherten Vorteil gegenüber einer Kochsalzinjektion. Andere Untersuchungen und fachliche Empfehlungen beurteilen bestimmte Anwendungen günstiger. Ein verlässlicher Neuaufbau von Gelenkknorpel oder eine Heilung der Arthrose ist durch PRP nicht belegt. [2, 3]

Warum das konkrete Präparat zählt
PRP ist kein einheitliches Produkt. Blutmenge, Aufbereitung, Zahl der Blutplättchen, Anteil weißer Blutkörperchen und Injektionsvolumen können variieren. Daher ist eine höhere Konzentration nicht automatisch besser. Entscheidend ist, welches Präparat für die jeweilige Erkrankung untersucht wurde und zur geplanten Anwendung passt.
Im Vienna Cartilage Center orientiert sich die Auswahl an Diagnose, Zielgewebe und individueller Ausgangssituation. Auch Zahl und Abstand der Anwendungen werden darauf abgestimmt. Eine erneute Behandlung sollte sich am dokumentierten Verlauf orientieren und nicht allein an einem starren Kalender. [1]

So wird die Behandlung vorbereitet und begleitet
Vor der Injektion werden Beschwerden, Untersuchung und Bildgebung zusammengeführt. Je nach Fragestellung gehören belastete Röntgenaufnahmen oder eine MRT dazu. Wichtig sind außerdem Vorerkrankungen, frühere Behandlungen und die aktuelle Medikamentenliste. Gerinnungshemmende oder andere regelmäßig eingenommene Medikamente dürfen nicht eigenständig abgesetzt werden.
Nach der ambulanten Anwendung folgt zunächst eine angepasste Belastung. Anschließend unterstützen Bewegung, Kraftaufbau und Physiotherapie die Rückkehr in den Alltag. Wann Laufen, intensives Training oder schwere körperliche Arbeit wieder sinnvoll sind, richtet sich nach dem behandelten Gelenk oder der Sehne und dem individuellen Verlauf. [1]
Verträglichkeit und mögliche Risiken
Körpereigenes Material macht eine Behandlung nicht risikofrei. Möglich sind vorübergehende Schmerzen, Druckgefühl, Schwellung oder ein Bluterguss. Selten können eine Infektion oder eine Verletzung benachbarter Strukturen auftreten. Bei Fieber, zunehmender Überwärmung oder starken anhaltenden Beschwerden ist eine rasche ärztliche Abklärung erforderlich. Auch eine geringe oder ausbleibende Wirkung gehört zu den möglichen Verläufen. [1]

Die Rolle im Gelenkerhalt
PRP kann ein Baustein sein, um Beschwerden zu verringern und Bewegung wieder zu ermöglichen. Für einen nachhaltigen Nutzen müssen zugleich Belastung, Muskulatur und mechanische Begleitprobleme berücksichtigt werden. Im persönlichen Gespräch klären wir deshalb, welches Ziel erreichbar erscheint und ob PRP dafür einen sinnvollen Beitrag leisten kann.

Quellen und Angaben zum Beitrag
Redaktioneller Anhang | Stand 8. Oktober 2026

Autor und Kontakt
Univ.-Prof. Dr. Stefan Marlovits
Unfallchirurg, Sporttraumatologe und Orthopäde
Leiter des Vienna Cartilage Center
Zentrum für Knorpelregeneration, Orthobiologie und Gelenkerhalt, Wien

 

Websites: www.marlovits.at und www.knorpel.at

Heiligenstädter Straße 46-48, Ebene 4/Top 7,
1190 Wien
+43 660 922 0 555
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Der Beitrag vermittelt allgemeine medizinische Informationen. Die Wahl einer Behandlung setzt eine individuelle ärztliche Untersuchung und Beratung voraus.

 

 
Прочетено 4 пъти Последна промяна от Сряда, 28 Октомври 2026 09:16
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